II. Die erste Arbeit als Priester
III. In Brasilien
IV. In Ruanda
Salesianerpater Hermann Schulz wurde am 29. Oktober 1939 im Memel (Ostpreußen) geboren. Sein katholischer Vater war Deutscher, seine evangelische Mutter Else Schulz Litauerin.
I. Schulzeit und Studium
Im März 1945 musste er seine Heimat verlassen. An der Hand seines Vaters erlebte er, wie sein Vater auf der Flucht umkam. Später ging er zunächst in Emlichheim (Grafschaft Bentheim) in die Schule, wo er seine Grundschulzeit verbrachte. Seine Mutter wollte ihn gerne auf eine Oberschule gehen lassen. Aber ein katholisches Seminar hätte allein so viel Geld gekostet, wie ihr für sich und die beiden Söhne zusammen zur Verfügung stand. Da entdeckte die Mutter von Hermann Schulz ein litauisches Gymnasium (in Lampertheim). Der Unterricht fand dort zur einen Hälfte auf Deutsch, und auf zur anderen auf litauisch statt. Hier sei Pater Hermann Schulz nicht gerade ein Musterschüler gewesen und sein Wechsel nach Italien schon fast eine Flucht. Er fuhr an eine Schule der Salesianer Don Boscos nach Italien, weil er gehört hatte, dass man hier weniger lernen müsste. Dies stimmte dann zwar ganz und gar nicht. So stieß Pater Schulz auf den Glaubens-Orden der Salesianer, von welchen er damals bereits ganz begeistert war. Die Ausbildung bei den Salesianern dauerte länger als üblich. Denn zwischen Schule und dem Studium der Theologie, Philosophie und Pädagogik kamen erst noch drei Jahre Praktikum. 1968 wurde Hermann Schulz zum Priester geweiht und war nun selbst ein Pater des Salesianer-Ordens.
II. Die erste Arbeit als Priester
Zunächst arbeitete Pater Hermann Schulz drei Jahre lang am litauischen Gymnasium, wo er einst als Schüler war. Dort nahm er die Funktionen des Kaplans, Internatsleiters und Sportlehrers wahr.
III. In Brasilien
Von dort kam er nach Sao Paulo in Brasilien. In den Jahren von 1923 bis 1928 herrschte in Litauen Hungersnot, weswegen viele Litauer nach Brasilien ausgewandert waren. In Sao Paulo war der Lärm jedoch ohrenbetäubend und es herrschten chaotische Verkehrszustände. Die Zeit dort nahm ihn sehr mit und belastete ihn sehr. „Ich konnte dort nicht bleiben“, erinnert sich Pater Schulz. Dann ging er zweimal ins Amazonasgebiet und lernte das riesige Land Brasilien kennen. Im Hinblick auf die Landflucht, die das Elend in den Städten vergrößerte, bemühte er sich, die Menschen davon zu überzeugen, auf dem Land zu bleiben und dieses und sich selbst fortzuentwickeln. Für Pater Schulz war es klar. Er wollte weiter in der Mission bleiben, aber bitte nicht in einer großen Stadt. Haiti, Indien und Ruanda wurden ihm vorgeschlagen. „Wenn Du in ein Land willst – ohne große Städte – wo die Not wirklich riesengroß ist, dann gehe nach Ruanda“, schlug ihm sein Oberer vor. „Bei mir war es also umgekehrt: die einen haben Landflucht gemacht, ich Stadtflucht.“
IV. In Ruanda
Von den ersten Eindrücken in Ruanda (1979) war Pater Schulz fasziniert, denn es ware das pure „afrikanische“ Lebensgefühl und das Gemüt der Menschen, was ihm sofort Pater Schulz in Brasilien zusagte. Die Verständigung war zuerst nicht einfach, weil er anfangs kein Kinyarwanda sprach. Zwar war Französisch Amtssprache, aber die einfachen Leute sprachen nur ihre Muttersprache. Anfangs lebte Pater Schulz in Musha, einer Gemeinde auf dem Land, von wo aus er immer wieder Spaziergänge unternahm, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Bereits nach kurzer Zeit hatte er immer eine ganze Schar Kinder um sich. Er spielte mit den Kindern und sprach mit den Hirten, was die besten Sprachübungen waren. Die Menschen waren trotz ihrer Armut sehr freundlich. Vor allem die kleine Schwester von Bonna Tumuhayirwe war eine seiner Sprachlehrerinnen, mit der er die Aussprache trainierte. Als er nach einiger Zeit zu den Kindern sagte, dass er gerne einen Ausflug mit ihnen machen möchte, kamen alle. „Wo habt ihr euren Proviant“, habe er gefragt. Aber die Kinder hatten nichts. Alle gingen gemeinsam los, die Kinder barfuß. Auf einem alten Fahrrad hatte er eine Feldflasche und eine kleine Tasche mit Bananen. Gemeinsam gingen sie los. Gegen Mittag an einem See saßen alle zusammen. Einzig die kleine Schwester von Bonna hatte ein Stück Brot in einem Tuch dabei. Bananen und Brot wurden aufgeteilt. „Dies alles hat mich sehr beeindruckt“, erinnert sich Pater Schulz. Bei seinen ersten
Messen sah er immer wieder kranke Leute. Da war ihm klar, dass er mit mehr als nur der heiligen Schrift helfen musste.
V. Pfarrei in Musha
In Kigali, wo er einige Zeit mit Jugendlichen arbeitete, bekam er in vier Monaten Sprachkurs einen Überblick, wie die ruandische Sprache aufgebaut ist. Nach einem Jahr kam er wieder nach Musha. Inzwischen hatte er Zelte organisiert. Die Pfarrei Musha bestand damals nur aus dem Haus, in dem die Priester wohnten. Eine Kirche gab es noch nicht. Die sogenannte Hauptkirche bestanden lediglich aus ein paar Pfählen mit einem Blechdach. Zudem exisitierten noch sogenannte Außenkirchen: Versammlungsorte von Christen unter Bäumen. Hier baute Pater Hermann Schulz seine Zelte auf. Er hatte sich soweit organisiert, auch Kranke versorgen zu können, die Älteren mit Decken, eventuell auch mit Kleidern. Wenn man in Ruanda einem älteren Menschen einen Mantel gibt, ist dies ein riesiges Geschenk. Denn, wenn Abends und in der Nacht kann es empfindlich kalt werden, und gerade ältere Leute benötigen dann etwas Warmes zum Anziehen beziehungsweise eine Decke zum Schlafen. Oft war er mit den Jugendlichen unterwegs und zusammen. Ein Junge sagte zu ihm: „Es macht so einen Spaß, anderen Leuten zu helfen. Aber hilf auch uns. Wir helfen jetzt unseren Leuten. Aber wenn wir alt sind, wird es uns genauso schlecht gehen.“ Kurz darauf erhielt Pater Schulz von der Gemeinde dann ein erstes Gelände. Die Jugendlichen packten kräftig mit an. Das Gelände wurde urbar gemacht. Es wurden Felder angelegt, erstes Gemüse verkauft und von ihrem geringen Taschengeld kauften die Jugendlichen zwei Ferkel, welche neben dem Pfarrgebäude gehalten wurden. Letztlich stellte es sich als Glück heraus, dass es einem Mitbruder missfiel, dass die Ferkel auf dem Pfarrgelände gehalten wurden. Da kam Pater Hermann Schulz die Idee, mehr als nur die Bewirtschaftung einiger Felder zu machen. Die Schweine wurden dort in der Nähe untergebracht, woraus die Notwendigkeit entstand, feste Gebäude zu bauen.
VI. Das Jugenddorf entsteht
Schließlich ergab sich 1982 die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Pater Hermann traf Bernhard Vogel, den damaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz (1976 bis 1988) bei dessen offiziellem Staatsbesuch in Ruanda. Pater Schulz war auch der offizielle Seelsorger der deutschen Gemeinde in Ruanda. Immer wenn ein Staatsbesuch aus Deutschland kam wurde Pater Hermann von der deutschen Botschaft auch eingeladen. Es folgte ein Briefwechsel. Schließlich erhielt Pater Hermann 12 000 Mark, womit ein Gebäude für die Jugendlichen und der Schweinestall und gebaut wurden. Nachdem mit dem Geld viel geschaffen worden war bekam er bei einem weiteren Antrag 42 000 Mark. Es entstanden weitere Gebäude. Die Bundeswehr half und die ersten privaten Spenden trafen ein. Hilfen aus Deutschland, Italien, Litauen, USA, Kanada und Brasilien.
VII. 1994 und die Zeit danach
Im Jahr 1994 brach ein Bürgerkrieg über Ruanda herein; ein Genozid der das Land verwüstete, hunderttausenden Menschen das Leben kostete und ebenso das Jugenddorf zerstörte. Pater Hermann Schulz überlebte und verließ das Land. Er kehrte jedoch kurze Zeit später zurück, um ein Jugend- und Waisendorf aufzubauen. Viele Menschen und Gruppierungen unterstützten ihn. Seitdem entwickelt sich das Jugend- und Waisendorf voran. Mehrere hundert Kinder haben hier ein neues Zuhause gefunden und bekommen Möglichkeiten zur schulischen und beruflichen Ausbildung. Nachdem Pater Schulz in Litauen die Not vieler Kinder und Jugendlicher erlebte und das einst enteignete Land seiner Großeltern zurückbekam, baut er auch in der Nähe von Klaipeda (dem früheren Memel) eine internationale Jugendbegegnungsstätte und einen Jugendhof für vernachlässigte Kinder und Jugendliche auf.
Text: Rainer Glissnik