Murakoze!

Von Verena Gebler, Lehramtsstudentin in Regensburg

Von Februar bis April 2014 hatte ich im Rahmen eines Auslandspraktikums des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes die einmalige Möglichkeit, an der École Secondaire St. Kizito Englisch zu unterrichten und mit den Kindern und Jugendlichen im Waisendorf zu leben, zu spielen und zu arbeiten. Ich war im Vorfeld des Praktikums unheimlich gespannt, aber nie hätte ich gedacht, dass mich diese sechs Wochen so sehr prägen und meine Sichtweise auf viele Dinge so sehr verändern würden.Verena2 Bereits die Begrüßung in Umudugudu war sehr herzlich und jede Minute mit den Kindern im Dorf war von Anfang an wertvoll und machte unglaublich viel Spaß. War ich am Anfang noch „umushyitsi“, die „Besucherin“, redeten mich die Kinder bald mit meinem Vornamen an. Zugegebenermaßen war durch die Sprachbarriere jeder Tag ein neues kleines Abenteuer. Aber das glückliche Strahlen der Kinder, wenn wir in großer Runde eines ihrer geliebten Laufspiele spielten oder ich Luftballons mitbrachte und auch die Freude der Jugendlichen, als ich von einem Ausflug nach Kigali einen Volleyball mitbrachte, der fast täglich zum Einsatz kam, zeigten mir, dass es nicht vieler Worte bedarf, um miteinander eine erfüllte Zeit zu haben. Schnell lernte ich außerdem einige Wörter in der Landessprache. Für mich war es besonders schön, dass mich alle, von den Kindern über die Nonnen und Brüder, so unvoreingenommen als Teil der Gemeinschaft akzeptiert haben. Ich wurde in alltägliche Aufgaben integriert und am Nachmittag – vormittags war ich ja an der Sekundärschule – von den Kindern bereits ungeduldig erwartet. Wann immer ich ankam, flogen sie mir förmlich in die Arme und wichen kaum von meiner Seite. Das hat mich tief beeindruckt.

Auch die Zeit an der Sekundärschule hat mich sehr bereichert. Zwar sind die Art des Unterrichts und die Ausstattung der Klassenräume natürlich nicht mit deutschen Verhältnissen vergleichbar. Was an Material manchmal fehlte, wurde aber durch das große Interesse und die Neugierde der Schüler wieder wettgemacht. Obwohl einige kaum jünger waren als ich habe ich während meiner Zeit in der Schule ein gutes Verhältnis zu ihnen aufgebaut und sie haben mich von Anfang an als Lehrerin auf Zeit respektiert. Schön war außerdem, dass auch die Lehrer mich sehr aufgenommen haben und mir sehr viel Verantwortung übertragen haben. Ich hatte bei der Unterrichtsplanung viele Freiräume und durfte sogar die Prüfungen mit vorbereiten. Am letzten Schultag herzlich wurde ich mit tosendem Applaus und der Bitte, bald wiederzukommen, verabschiedet.Ein unvergesslicher Moment!

Durch meine Zeit in Ruanda bin ich in vielerlei Hinsicht gelassener geworden. Das Leben und Arbeiten dort haben mir gezeigt, dass wir in unserer schnelllebigen europäischen Welt viel zu oft das Wesentliche aus den Augen verlieren: Zusammenhalt, Zuversicht und Dankbarkeit auch für die kleinen Dinge.

Vor allem die Kinder haben mir gezeigt, wie einfach Glücklichsein manchmal sein kann. Dafür bin ich sehr dankbar und hoffe, bald nach Umudugudu zurückkommen und alle wiedersehen zu können.